Einführung der Reformation in Militsch  
     
"Als Datum für die Einführung der Reformation in Militsch nennt Christian Samuel Hoffmann in seiner Religionsgeschichte der Stadt und Freien Standesherrschaft vom Jahre 1754 p. 527 ff. den 3. Advent des Jahres 1525. Und wenn ihm auch einmütig die ganze spätere Geschichtsschreibung in dieser Überlieferung folgt, so haben wir doch guten Grund dazu, an der Richtigkeit dieser Angabe zu zweifeln.

Wir haben vielmehr für 1525 wahrscheinlich das Jahr 1555 einzusetzen, da es historisch festgestellt ist, daß der damalige Standesherr Wilhelm von Kurzbach (1549-1569), der in Militsch für seinen minderjährigen Neffen Sigismund die Regierung führte, erst zur Augsburgischen Konfession übertrat und nach einer weiteren Nachricht im Jahre 1550 noch ein katholischer Pfarrer Johann Molenda in Militsch amtierte. (...)

1. Der erste evangelische Pfarrer in Militsch, Hieronimus Klepper, der am 3. Advent hier die erste evangelische Predigt gehalten haben soll, ist nach Sinapius Olsnographia II p. 485 erst im Februar 1515 geboren, wäre also bei seinem Dienstantritt in Militsch erst 10 Jahre alt gewesen.

2. Nach einer Leichenpredigt, die M. Nathanael Tilesius am 06. Juni 1610 für Matth. Clemens, Pfarrer zu Strebitzko, hielt, wird in zuverlässiger Weise angegeben, das Matth. Clemens im Jahre 1574 als Diakonus neben Hieronimus Klepper als Pfarrer amtiert habe. Das widerspricht aber C. S. Hoffmann einerseits, der 1542 H. Klepper sterben, und Wandel p. 16 andererseits, der 1563 H. Klepper nach Bernstadt gehen läßt."

(Pastor Kurt Kluge in seinem 1909 im Selbstverlag erschienenen Buch "Chronik der Stadt Militsch" über die Militscher Kirchengeschichte)

Weiterhin wurde im Jahre 1555 auch der „Augsburger Religionsfrieden" geschlossen, wonach jeder Standesherr seine Religion frei wählen durfte. Damit wird es mehr als wahrscheinlich, das in Militsch zwischen 1555 und 1560 der evangelische Religionsglauben durch den Standesherm eingeführt worden ist! Die Jahreszahl 1525 in C. S. Hoffmanns Buch scheint demnach ein Druckfehler gewesen zu sein, der 1555 gelautet haben könnte und den dann später die meisten Autoren bloß übernommen haben. (A. Reim, 2005)
 
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