Die Evangelische Kirche in den Jahren 1654 - 1750  
     
1654 - 1709

Zur Vorgeschichte: 1563 nimmt die Gegenreformation in Bayern, der katholischen Vormacht Deutschlands, durch zunehmenden Einfluß der Jesuiten ihren Ausgang. Mit dem Prager Fenstersturz 1618 beginnt der 30-jährige Krieg. Mit seinem Ende 1648 wurde der Augsburger Religionsfriede von 1555 bestätigt, wonach Untertanen dem Bekenntnis des Landesherren folgen müssen (nur Reichsstädte erhalten relig. Toleranz). Das schon 1629 entstandene Restitutionsedikt verlangte die Rückgabe aller geistlichen Gebiete, die nach 1552 in protestantischen Besitz gekommen sind.

Kaiser Ferdinand II. erließ am 03.09.1652 den Befehl (an den Landeshauptmann Otto, Baron von Nostitz nach Schweidnitz) zum Bau von drei sog. Friedenskirchen. Nachdem diese aber errichtet waren, fuhr der kaiserliche Hof fort, alle evangelischen Dorfkirchen in seinen Fürstentümern zu verbieten. Otto von Nostitz hatte zuerst 1653 und nochmals energischer am 14.09.1654 befohlen, alles protestantische Vermögen einzuziehen und sämtliche protestantischen Handlungen außerhalb der Friedenskirchen zu verbieten. Dadurch fielen die meisten von den Anhängern Luthers erbauten (oder auch von den Lutheranern den Katholiken weggenommenen) Kirchen, insgesamt 766, bis 1707 (wieder) an die Katholiken.

Evangelische Taufen, Heiraten oder Begräbnisse konnte es zwischen 16541) und 1709 nur in einer der folgenden drei "Zufluchtskirchen" geben:

Zduny (Königreich Polen)
Maliers bei Festenberg (Fürstentum Oels)
Massel bei Trebnitz (Fürstentum Oels)

Leider sind für den hier interessierenden Zeitraum nur Kirchenbuch-Verfilmungen der Evangelischen Kirche Massel erhalten (1670-1726).

Wichtig: Es gab in dieser Zeit auch viele Evangelische, die die teilweise langen Wege zu einer der Zufluchtskirchen nicht auf sich nehmen konnten oder wollten. Diese haben sich oft katholisch taufen bzw. verheiraten lassen und sind dann in den Kirchenbüchern des für ihren Ort zuständigen katholischen Kirchspiels eingetragen!

1709 - 1750

Mit militärischem und europaweitem politischem Druck gelang es Karl XII. von Schweden (1682-1718), den Kaiser Joseph I. in der Konvention von Altranstädt (einem Dorf im Reg.-Bez. Merseburg) am 1. September 1707 zu nötigen, der Rückgabe von 121 Kirchen in den Fürstentümern Liegnitz, Brieg, Wohlau, Oels und Münsterberg und dem Bau von sechs Gnadenkirchen zuzustimmen, die teilweise gegen einigen Widerstand und nur mit hohen Auflagen gebaut werden durften. Der Platz für die Gnadenkirche zu Militsch mußte außerhalb der Stadttore gewählt werden. Zu ihrem Bau war nur Holz, kein Stein zugelassen. Sie wurde in den Jahren 1709 bis 1714 errichtet. Der erste Gottesdienst fand dort am 21.04.1709 statt. Sie war anfangs2) auch für Freyhan, Gontkowitz (Schönkirch), Wirschkowitz (Hochweiler) und Sulau zuständig.

Aufgrund des Kirchengesetzes der Habsburger waren für kirchliche Handlungen in der Gnadenkirche der jeweils zuständigen katholischen Kirche sog. Stolgebühren (Amtsgebühren) zu entrichten -- wodurch sie auch im katholischen Kirchenbuch eingetragen wurden! Deshalb ist es lohnend, in diesem Zeitraum auch die entsprechenden katholischen Kirchenbücher durchzusuchen.

1740 
besetzt Preußen das bis dahin unter österreichischer Herrschaft stehende Schlesien. In der Folge werden evangelischer und katholischer Glaube nach und nach gleichberechtigt.

Eine ausführliche Darstellung des Sachverhaltes mit einem Schwerpunkt des Kirchspiels Militsch findet sich hier: Die erhaltenen Kirchenbücher der katholischen Pfarrkirche zu Militsch.

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1) Pfarrer Kittelmann (Ev. Pfarrkirche Freyhan) berichtet 1921 allerdings, daß hier noch bis etwa 1720 evangelischer Gottesdienst gehalten wurde. 2) In der preußischen Zeit nach 1742 wurden diese Kirchspiele wieder selbständig und frei und konnten ihre eigenen Prediger halten und Gotteshäuser bauen. Die Ev. St. Katharinenkirche Freyhan wurde am 07.05.1750, die Ev. Holzkirche in Wirschkowitz Kantate 1755 und die Ev. Kirche Gontkowitz 1756 eingeweiht.
     
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